Richtiges Verhalten bei einem Verkehrsunfall

Unfall
Laut Definition ist ein Verkehrsunfall zumindest für einen Unfallbeteiligten ein unvorhergesehenes plötzliches Ereignis, das im ursächlichen Zusammenhang mit den typischen Gefahren des Straßenverkehr steht und einen Sachschaden und/oder Personenschaden zur Folge hat, der nicht völlig belanglos ist (also über 20,- Euro).

Ein Unfall mit seinem Pkw ist ein unschönes Ereignis für jeden.
Die meisten Autofahrer hatten noch nie einen Autounfall und wissen daher nicht genau, wie sie sich richtig verhalten sollen.
Zuerst sollte man die Ruhe bewahren, Stress macht alles nur noch schlimmer.

Hier eine Auflistung der richtigen Vorgehensweise:

Nachdem es zum Pkw Unfall gekommen ist, muss man als erstes abwägen, ob es sich um einen Bagatellunfall oder um einen schwerwiegender Verkehrsunfall handelt.
Dabei kann man sagen, dass schwerwiegende Unfälle meist mit Personenschaden sind oder Straftaten beinhalten (Alkohol, Fahren ohne Führerschein, Unfallflucht oder unklare Sachlage). Falls eines dieser Merkmale zutrifft, sollte man ausnahmslos die Polizei rufen.

StreifenwagenDazu kann man dann den Notruf 110 des Handys nutzen (kostenlos).
Ist jemand verletzt, sollte man zuerst die Feuerwehr über 112 rufen (ebenfalls kostenlos).
Dadurch gewinnt der Krankenwagen möglicherweise wertvolle Sekunden Vorsprung. Ruft man erst die Polizei so wird die Meldekette länger und verletzte Personen müssen länger auf Hilfe warten.

Prinzipiell gilt, die Versorgung von Verletzten hat absoluten Vorrang!!!

Es ist im Gesetz verankert, dass man Hilfe leisten muss. Tut man dieses nicht, macht man sich nach §323c StGB strafbar.
In diesem Zusammenhang sollte man auch regelmäßig seinen Verbandkasten im Pkw auf Vollständigkeit und Haltbarkeit prüfen (viele sind nur 5 Jahre haltbar!!)
Wissen Sie wo sich Ihr Verbandkasten und das Warndreieck im Pkw befinden? Schauen Sie doch einfach mal nach....

Handelt es sich bei dem Verkehrsunfall nicht um einen schwerwiegenden Unfall, so spricht die Polizei von einem Bagatellunfall.
Bei Bagatellunfällen führt die Polizei einen Personalienaustausch durch und bestraft den Verursacher mit einem Verwarngeld.
In manchen Bundesländern nimmt die Polizei solche Bagatellunfälle nicht mehr auf.
Bei einer Hauptunfallursache (z.B. Vorfahrt genommen, zu hohe Geschwindigkeit, falsches Überholen) schreibt die Polizei eine Ordnungswidrigkeitenanzeige, welche einem Punkte in Flensburg einbringt und ein höheres Bußgeld (über 40 Euro) kostet.

Wichtig ist bei Bagatellunfällen die Tatsache, dass die Polizei dort nach der Unfallaufnahme den Verkehrsunfall nicht weiter bearbeitet. Es werden KEINE Fotos und keine Skizzen gemacht.
Wer also Fotos von der Unfallstelle benötigt, muss sich selbst um diese kümmern. Heutzutage hat nahezu jedes Mobiltelefon eine eingebaute Kamera, mit der sich schon brauchbare Fotos machen lassen.

Lassen Sie sich vor Ort nicht zum Unterschreiben eines "Schuldgeständnisses" überreden, auch wenn die Sachlage noch so eindeutig ist. Für die Regulierung ist ausschließlich Ihre Versicherung zuständig. In Einzelfällen können Sie persönlich in Regress genommen werden, wenn Sie ein Geständnis unterschreiben und sie gar keine Alleinschuld haben. Ihre Versicherung wird sich das Geld dann von Ihnen zurück holen wollen.

Bei Bagatellunfällen sollte man die Unfallstelle räumen und so den fließenden Verkehr nicht weiter behindern (man kann ja vorher Fotos vom Stand der Fahrzeuge machen).
Meist kann es eine gewisse Zeit dauern, bis die Polizei eintrifft, und der Verkehr kann inzwischen weiter fließen. Die Schäden bleiben ja erhalten und ein Polizist kann in der Regel anhand der Schäden erkennen, wie der Verkehrsunfall passiert ist.

Sie sind kein Gutachter, oft sind bei Unfälle parkende Fahrzeuge beteiligt, der Schaden wird sich kurz angeschaut und es wird augenscheinlich nichts erkannt, also fährt man weiter.
Moderne Fahrzeuge sind aber so kontruiert, dass sich Kunststoffteile bis zu einer gewissen Geschwindigkeit wieder eigenständig ausbeulen. Man kann also nicht erkennen, ob sich unter der Anstoßstelle ein Schaden befindet.
Fahren sie nun einfach weg, begehen Sie den Tatbestand der Verkehrsunfallflucht nach §142 StGB.
Sie müssen eine angemessene Zeit (nicht nur 5 Minuten!) warten, bis sich jemand zu dem Fahrzeug meldet. Geschieht dies nicht, so reicht es nicht aus, nur einen Zettel zu hinterlassen. In diesem Fall sollten Sie die Polizei hinzuziehen, sie kann die Daten des beteiligten Fahrzeugs ermitteln.
Auch wenn vor Ort kein Schaden erkannt wird, muss man Angaben zu seiner Unfallbeteiligung und zu seiner Person machen, um eine spätere mögliche Schadensregulierung gewährleisten zu können.

ÜberschlagSollte eins der Fahrzeuge nicht mehr fahrbereit sein, so gilt es die Unfallstelle abzusichern, um andere Fahrzeug nicht zu gefährden. Ein Warndreieck dafür müssen sie laut Straßenverkehrszulassung (StVZO) in ihrem Fahrzeug mit sich führen. Haben sie eine Warnweste dabei, ziehen sie diese auch an.
Laufen sie nicht unnötig auf der Fahrbahn rum, die Gefahr angefahren zu werden ist größer als man denkt.
Sollte ihr Pkw nicht mehr fahrbereit sein, so kann man sich schon einmal Gedanken über ein Abschleppunternehmen machen. Sollten sie keines kennen, so wird die Polizei ihnen kostenlos einen Abschlepper rufen.
Sind sie im ADAC oder einem anderen Automobilclub, so haben sie in der Regel Anspruch auf eine kostenlose Pannenhilfe, welche auch ein Abschleppen im Falle eines PKW Unfalls einschließt.
Die Hotline des ADAC erreicht man aus allen Handynetzen unter der Nummer 222222.

Sind sich beide Unfallparteien über den Hergang und die Verursacherfrage einig, so kann man auch einen Personalienaustausch machen, ohne dass die Polizei gerufen wird (nur bei Bagatellunfällen!).

Für die Schadensregulierung sind folgende Daten wichtig, diese sollte man sich unbedingt notieren:

  • Unfallort
  • Unfallzeit
  • Kennzeichen, Hersteller und Typ des anderen Pkws
  • Name und Anschrift des Halters (ergibt sich aus dem Fahrzeugschein)
  • Name und Anschrift des Fahrers (ergibt sich aus dem Führerschein oder dem Ausweis)
  • Fast jeder hat heutzutage ein Mobiltelefon mit Kamerafunktion, nutzen sie diese und machen sie Fotos von der Unfallstelle und den Schäden an beiden Fahrzeugen. Bilder sagen mehr als Worte.

ACHTUNG!! Verlassen sie sich nicht auf mündliche Angaben, insbesondere nicht, wenn der Unfallgegner zweifelsfrei der Verursacher ist.

Nach der Unfallaufnahme müssen Sie noch den Schaden ihrer Versicherung melden, dazu sind sie laut ihrem Vertrag verpflichtet, auch wenn Sie nicht der Verursacher sind.
Ihr Versicherungsvertreter wird sie beraten, wie es mit der Schadensregulierung weiter geht (Werkstatt, ggf. Leihwagen).
Falls Sie verletzt wurden, vergessen Sie nicht ein Attest vom Arzt zu bekommen, dies ist notwendig, wenn Sie Schmerzensgeld beanspruchen wollen.
Ihre Rechte und Pflichten bei einem Verkehrsunfall können Sie hier nachlesen

Ein Unfall im Ausland

Ist der Pkw Unfall im Ausland passiert, empfiehlt es sich immer die dortige Polizei zu rufen.
Die deutschen Versicherungen bezahlen unkomplizierter, wenn man eine ausländische Unfallmitteilung vorlegt.
Die Notrufnummer im Ausland ist immer 112 (ausser Bulgarien mit 150)
Die Verhaltensweisen nach dem Unfall sind im Ausland gleich. Auch dort gilt, Verletzten ist unbedingt Erste Hilfe zu leisten.
In manchen Ländern ist beim Verlassen des Pkws ein Warnweste in Signalfarben vorgeschrieben, ziehen Sie diese unbedingt an, bevor die Polizei eintrifft, sonst droht ein Verwarngeld.
Packen Sie vor Reiseantritt auch die "grüne Versicherungskarte" ein. Diese erhalten Sie kostenlos bei Ihrer Versicherung, sie erleichtert die Schadensabwicklung im Ausland.

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