Ärger mit der Werkstatt nach einer Reparatur?

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SteckschlüsselDie richtige Wahl einer Werkstatt ist Vertrauenssache.
Man kann in jeder Werkstatt enttäuscht werden, sei es durch einen hohen Rechnungspreis oder durch schlechte Arbeit.
Prüfen Sie auf jeden Fall ihre Rechnung, sprechen Sie bei hohen Kosten mit dem Meister, warum Ihre Kfz-Reparatur so teuer war.

Etwa 46 Millionen Pkws sind in Deutschland zugelassen, jährlich werden bei diesen Fahrzeugen etwa 74 Millionen Reparaturen und Wartungen durchgeführt. Da ist es kein Wunder, dass es auch mal nicht alles perfekt läuft.

Kostenunterschiede:

Im Prinzip gibt es bei den Materialkosten keine großen Unterschiede zwischen einer Vertragswerkstatt und einer freien Werkstatt. Freie Werkstätten kaufen ihre benötigten Teile meist bei den Vertragsautohäusern ein und können daher auch keine günstigeren Preise für die Ersatzteile machen. Im Gegenteil, teilweise werden die Beschaffungskosten dem Kunden versteckt mit in Rechnung gestellt.
Das Sparpotential bei den freien Werkstätten liegt im Stundenlohn, dieser liegt in der Regel unter dem Stundenlohn von Autohäusern.

Kostenvoranschlag:

Lassen Sie sich vor einer größeren Kfz Reparatur/Inspektion mehrere Kostenvoranschläge bei verschiedenen Werkstätten machen und vergleichen Sie die Angebote.
Ein schriftlicher Kostenvoranschlag (Festpreis) ist übrigens verbindlich, sollte die Rechnung später ohne Absprache höher ausfallen, können Sie sich auf den Kostenvoranschlag berufen.
Sollten Zusatzarbeiten und zusätzliche Teile von Nöten sein, die vorher nicht berücksichtigt wurden, kann der Kostenvoranschlag natürlich überboten werden. Vereinbaren Sie daher mit der Werkstatt, dass Sie angerufen werden, wenn weitere Arbeiten notwendig sein sollten.
Mehrere Gerichtsurteile stärken den Kunden, indem sie urteilen, dass bei einer Kostenüberschreitung von mehr als 20 Prozent die darüber befindlichen Kosten vom Kunden nicht gezahlt werden mössen, wenn dieser darüber nicht informiert wurde.

Vorsicht ist bei Arbeiten ohne Rechnung geboten, Sie haben keinen Garantieanspruch!!!

Reklamationen:

Sollten Sie mit der eigentlichen erbrachten Arbeit nicht zufrieden sein, so haben Sie Rechte, die Sie auch in Anspruch nehmen sollten. Lassen Sie sich nicht von der Werkstatt einreden, dass es nicht besser zu Reparieren ging.
Folgende Fälle sind möglich:

  1. Entdecken Sie einen Mangel direkt bei der Abholung des Fahrzeugs aus der Werkstatt, dann reklamieren Sie sofort und nehmen Sie die Arbeit nicht ab, die Werkstatt muss nachbessern. Erst nach erfolgter Nachbesserung sollten Sie die Arbeit bezahlen. Wird der Mangel korrekt behoben, dürfen Sie den Betrag nicht kürzen, wird er jedoch nicht behoben, dann zahlen Sie nicht den vollen Betrag an die Werkstatt.
  2. Ein Mangel an der reparierten Stelle tritt innerhalb von zwölf Monaten nach der Kfz Reparatur auf. Nach den üblicherweise geltenden Reparaturbedingungen muss innerhalb dieser Zeit (Gewährleistungsfrist) die Werkstatt den Mangel kostenfrei nachbessern. Dabei ist natürlich Voraussetzung, dass die Werkstatt durch ihre Leistung den Mangel verursacht hat und nicht der Kunde.
    Verschleißteile fallen ebenfalls nicht unter die Gewährleistung. Auf anderen Teilen besteht eine zweijährige Teilegarantie.
    Wird der festgestellt Mangel innerhalb von zwölf Monaten gemeldet, so wahrt der Kunde den Anspruch auf Nachbesserung. Die Nachbesserung kann dann auch nach Ablauf der zwölf Monate erfolgen.

Der Kunde muss den Mangel in der gleichen Werkstatt beheben lassen, die den Mangel auch verursacht hat. Werkstattketten sind da kulant und lassen in der nächstgelegenen Filiale nachbessern (vorherige Rücksprache vorausgesetzt).

Rein rechtlich gibt es da eine Ausnahme: Sollte der Mangel mehr als 50 Kilometer von der Werkstatt auftreten und das Fahrzeug dadurch nicht mehr fahrbereit sein, so darf der Mangel auch in einer anderen Werkstatt nachgebessert werden und die verursachende Werkstatt hat für die Kosten aufzukommen. In diesem Fall sollte aber auch unbedingt zuvor mit der Werkstatt telefonisch Rücksprache genommen werden.

Problematisch ist immer der Nachweis der Ursache eines Mangels. Werkstätten neigen leider dazu, dass sie prinzipiell jeden verursachten Schaden erst einmal von sich weisen. Wird man sich nicht einig, so enden solche Streitfälle oftmals vor Gericht. Dann muss ein Sachverständiger die Ursache klären. Die Kosten für den Sachverständigen muss die Werkstatt tragen, wenn sie den Rechtsstreit verliert. Gewinnt die Werkstatt vor Gericht, so bleibt der Kunde auf den Kosten sitzen.

Erklärt sich die Werkstatt mit der Nachbesserung einverstanden, so hat sie zwei Versuche den Mangel zu beheben. Ist der Mangel dann immer noch nicht behoben, so kann der Kunde sein Geld zurückverlangen (notfalls wieder auf dem Rechtsweg) und vom Reparaturauftrag zurücktreten. Sollte die Rechnung noch nicht bezahlt worden sein, so kann sie um einen angemessenen Betrag gekürzt werden.

Ein Reparaturauftrag ist ein rechtsgültiger Vertrag. Tritt man grundlos vom Auftrag zurück, so kann die Werkstatt rein rechtlich Geld als Schadensersatz einfordern.
Sollte es zum Rechtsstreit kommen, so lohnt ein Blick auf die Internetseite des deutschen Kraftfahrtgewerbes www.kfzgewerbe.de Dort sind Urteile von Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes zu finden. In Deutschland gibt es 130 Schiedsstellen des Kfz-Handels und Kfz-Handwerks. Falls Ihre Werkstatt bzw. Autohaus Mitglied der Kfz-Innung ist, so ist das Urteil der Schiedsstelle für die Werkstatt verbindlich. Der Kunde hingegen kann, wenn das Urteil nicht zu seinem Gunsten ausfällt, den Rechtsweg über das Gericht einschlagen.

Bevor es vor Gericht zum Prozess kommt, können Sie sich über unseren Gerichtskostenrechner berechnen lassen, wie hoch die Prozesskosten ausfallen werden.

Begriffsbestimmungen:

  • Gewährleistung: Eine für Materialen und Dienstleistungen vorgeschriebene Zeitspanne, in der eine Mängelfreiheit vorgeschrieben ist.
    Die gesetzliche Gewährleistung beträgt zwei Jahre. Innerhalb der ersten sechs Monate muss der Hersteller bei einem Schaden beweisen, dass der Fehler vom Kunden verursacht wurde. Ab dem siebten Monat gilt die Beweislastumkehr und der Kunde muss dem Hersteller beweisen, dass der Fehler schon zum Zeitpunkt der Auslieferung vorhanden war.
    Ersatzteile unterliegen auch der zweijährigen Gewährleistung, Verschleißteile (Reifen, Motoröl) jedoch nicht.
  • Garantie: Mängel werden vom Hersteller ohne Weiteres behoben, sofern die vorgegebenen Garantiebedingungen eingehalten wurden (Kleingedrucktes im Kaufvertrag beachten). Dies beinhaltet auch möglicherweise einen kompletten Austausch des Gegenstandes. Die Garantie kann beispielsweise erlöschen, wenn Wartungen nicht bei einer Vertragswerkstatt durchgeführt wurden oder wenn keine Originalersatzteile verwendet wurden.
    Eine Garantie ist eine freiwillige Leistung der Hersteller, gesetzlich vorgeschrieben ist lediglich die Gewährleistung.
    In der Regel geben Hersteller zwei Jahre Garantie auf ihre Produkte, damit die Kunden auch Vertrauen in das Produkt haben und es kaufen. Längere Garantiezeiten von bis zu sechs Jahren beziehen sich meist nur auf gewisse Baugruppen (z.B. Motor) und nicht auf das vollständige Auto.
  • Kulanz: Eine vom Hersteller/ Händler freiwillig gewährte Leistung nach der Garantiezeit, die zur Zufriedenstellung des Kunden dient. Eine Kulanz ist nicht vor einem Gericht einklagbar.
    Kulanzansprüche werden häufiger bewilligt, wenn Fahrzeuge bei Vertragswerkstätten scheckheftgepflegt wurden.