Tipps beim Gebrauchtwagen kaufen

Die Preise für Neuwagen werden jedes Jahr höher. Neue Technik erhöht die Kosten, die auf den Käufer abgewälzt werden.
Durch die steigenden Kosten für Neuwagen, kann sich so mancher "nur" einen Gebrauchtwagen kaufen.
Gebrauchtwagen sind durch ständige qualitative Verbesserungen technisch nicht unbedingt schlechter als Neufahrzeuge.
2010 lag der Durchschnittspreis für ein Gebrauchtfahrzeug bei ca. 8330 Euro.
Der Kauf eines Gebrauchtwagens erfordert jedoch viel Vorbereitung, damit man hinterher nicht sein blaues Wunder erlebt.
Auf dieser Seite finden Sie Tipps, worauf Sie bei Ihrem "neuen Gebrauchten" unbedingt achten müssen.

Welches Auto ist zuverlässig und entspricht meinen Anforderungen?

Zunächst sollte man sich Gedanken machen, was für ein Auto man möchte und was man überhaupt benötigt?
Als Single, der eher auf Vergnügen steht, ist möglicherweise das gebrauchte Cabrio geeignet, während der Familienvater eher nach einem Kombi sucht.
Ist mein Wunschauto auch zuverlässig oder muss dieser Typ Auto des Öfteren in die Werkstatt, weil es so anfällig ist?
Diese Grundgedanken sollte sich jeder selbst machen, bevor er sich auf den Autotyp festlegt.
Über Bewertungen und Kritik von Autos kann man sich hier informieren.
Sollte es doch ein Neuwagen sein, können Sie bei "MeinAuto.de" Neuwagen zu Top-Konditionen finden.

Diesel oder Benziner?

Wenn Sie sich auf eine Marke und einen Typ festgelegt haben, müssen Sie sich noch eine geeignete Motorisierung aussuchen.
Lohnt sich für Sie ein Diesel oder fahren Sie mit einem Benziner günstiger?
Die Regel, dass man für Diesel unbedingt viele Kilometer im Jahr fahren muss, stimmt bei Gebrauchtwagen nur bedingt.
Die Berechnungen, ob der Diesel rentabler ist, umfassen beim Neuwagen den Preisunterschied in der Anschaffung und auch den Wertverlust in den kommenden Jahren.
Beim Gebrauchtfahrzeug, liegen diese beiden Faktoren jedoch nicht mehr so weit auseinander, wie beim Neuwagen. Daher lohnt sich beim Gebrauchtfahrzeug ein Diesel früher als beim Neufahrzeug.

Was darf das Auto kosten?

Da Sie nun genau wissen, welches Auto es werden soll, vergleichen Sie die Preise.
Sie können sich (z.B. bei DAT) kostenlos berechnen lassen, was der Händlereinkaufswert, Händlerverkaufswert und der Preis von Privat sein soll.
Damit haben Sie schon die erste grobe Preisvorstellung.
Die größte Auswahl an Gebrauchtwagen bietet heute das Internet, die großen Portale wie mobile.de und autoscout24.de haben über eine Million Fahrzeuge in Ihrer Datenbank.
Dabei sind sowohl Fahrzeuge von Händlern als auch von Privatleuten gelistet.
Sie können sich hier die Angebote anschauen und miteinander vergleichen, auch hier können Sie den ungefähren Marktwert Ihres gesuchten Autos taxieren.
Treffen Sie eine Vorauswahl, nehmen Sie jedoch nicht mehr als drei Autos in die engere Wahl, Sie verlieren sonst die Übersicht, da es nur selten vollständig identisch ausgestattete Fahrzeuge gibt und Sie sonst wohlmöglich "Äpfel mit Birnen" vergleichen.

Ist der Verkäufer seriös?

Jetzt ist Ihre Initiative gefragt, rufen Sie die Verkäufer an und fragen Sie nochmals alle Daten ab.
Stimmen die Daten mit dem Angebot überein oder nennt der Verkäufer schon Abweichungen beim Kilometerstand, den Vorbesitzern oder möglichen Vorschäden?
Wenn ja, dann ist Vorsicht geboten und man sollte nachfragen, wie diese Abweichungen zustanden kommen.
Wer ist Verkäufer? Eine Firma? Dann gibt es kein großes Risiko beim Kauf, Firmen müssen auf Gebrauchtfahrzeuge eine einjährige Gewährleistung geben.
Diese Gewährleistung erhalten Sie von Privat nicht, daher ist ein Kauf von Privat immer ein größeres Risiko. Doch man kann auch dieses Risiko minimieren, indem man bei der Besichtigung gründlich schaut.
Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn gesagt wird, dass das Auto "für einen Freund" verkauft wird. Da stecken oft windige Händler dahinter, die keine Gewährleistung geben wollen, da sie wissen,dass das Auto nicht in Ordnung ist.
Oder würde Ihr Freund Ihr Auto verkaufen?? Wohl nicht, oder?
Lassen Sie sich mit Worten wie "Sie müssen sich schnell entscheiden" nicht unter Druck setzen. Schlafen Sie lieber eine Nacht drüber, auch auf die Gefahr hin, dass das Auto dann wirklich schon verkauft sein könnte.
Ein Hinweis darauf, dass am Auto schon viel neu gemacht wurde, kann zunächst positiv klingen, es kann aber auch heißen, dass es sich hier um ein "Montagsauto" handelt, welches sehr reparaturanfällig ist.
Vorsicht ist auch geboten, wenn der Verkäufer zunächst Zusagen macht, diese jedoch im Vertrag nicht schriftlich festhalten möchte.

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Fahrzeugunterseite


Die Fahrzeugbesichtigung

Bei der Besichtigung des Pkws ist wieder einmal vergleichen angesagt, stimmen die angegebenen Daten aus der Anzeige immer noch oder hat sich etwas verändert?
Ist der Verkäufer berechtigt, das Auto zu verkaufen, kann er den Fahrzeugbrief bzw. die beiden Teile der Zulassungsbescheinigung vorweisen?
Stimmt die Fahrgestellnummer am Pkw mit der im Brief überein?
Ist das Scheckheft vorhanden und wurde das Auto regelmäßig gewartet?

All das zu überprüfen dauert seine Zeit, planen Sie die Besichtigung zeitlich großzügig ein.
Wenn Sie kurzfristig zu einem Verkäufer in der Nähe fahren, achten Sie darauf, dass es nicht regnet und genug Tageslicht vorhanden ist.
Regen ist für eine Besichtigung denkbar ungünstig, denn das Wasser macht es einem unmöglich, Mängel im Lack oder mögliche Unfallschäden zu finden.
Lassen Sie sich durch den ersten Eindruck vom Äußeren nicht täuschen!
Ein Lackaufbereiter kann ein Auto ungemein aufbereiten, so dass es neuwertig ausschaut, auch wenn es technisch nicht in Ordnung ist.
Fragen Sie auch unbedingt nach Unfallschäden! Finger weg von Unfallautos, über deren Reparatur keine Belege vorhanden sind!
Solche Autos wurden kostengünstig zusammengeflickt, um sie schnell zu verkaufen.
Hören Sie da auch nicht auf den Verkäufer, wenn er sagt, das war nur ein harmloser Unfall. So etwas kann nur ein Sachverständiger klären.
 
Suchen Sie sich im Internet typische Schwachpunkte bei Ihrem Auto heraus und arbeiten Sie diese bei der Besichtigung ab.
Als Laie können Sie gewisse Punkte am Gebrauchtwagen selber überprüfen.

Hier ein paar Checkpunkte:

  • Entspricht die Kilometerleistung auf dem Tacho auch der im Scheckheft oder gibt es Zweifel?
  • Wurde das Auto regelmäßig gewartet, ist das Scheckheft lückenlos?
  • Wie lange hat das Auto noch TÜV bzw. AU?
  • Beleuchtung:
    - Funktionieren alle Lampen?
    - Sind die Scheinwerfer und Rückleuchten trocken?
  • Zündung an:
    Alle Kontrollleuchten sollten nach kurzer Zeit erlöschen
  • Sind Dellen oder Kratzer im Lack? Ist das Dach frei von Hagelschäden?
  • Sind die Spaltmaße an Türen, Motorhaube und Kofferraum gleichmäßig? Wenn nicht, deutet es auf einen Unfall hin.
  • Ist offensichtlich frischer Lack oder Unterbodenschutz aufgetragen worden? Das deutet auf einen kurzfristige Kaschierung von Rost hin.
  • Rostanfällig sind besonders die Kotflügelkanten, Türkanten und die Kofferraumklappe. Sehen Sie dort unbedingt nach.
  • Reifen:
    Ist noch genug Profil vorhanden? Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6mm, Mindestprofiltiefenindikatoren sind auf jedem Reifen zwischen den Profilrinnen vorhanden.
    Jedoch sollten Sommerreifen mindestens noch 3mm Profil haben und Winterreifen 5mm. Ein Kauf neuer Reifen steht sonst unmittelbar bevor, was wieder Kosten verursacht
  • Reifen:
    Ist das Profil gleichmäßig abgefahren? Wenn nein, ist möglicherweise die Spur oder der Sturz im Fahrwerk verstellt.
  • Felgen:
    Haben die Felgen Bordsteinschäden? Wenn ja, können auch andere Fahrwerksteile beschädigt sein.
  • Unterboden:
    Scheuen Sie sich nicht sich hinzuknienen und unter das Auto zu schauen. Laufen dort Betriebsflüssigkeiten aus? Ist dort Öl oder Rost zu sehen? Wenn ja, dann unbedingt einen Fachmann nach den Reparaturkosten fragen.
  • Auspuff:
    Nach Roststellen absuchen.
  • Bremsen:
    Wenn das Auto Alufelgen mit großen Speichen hat, dann schauen Sie durch die Speichen auf die Bremsanlage, haben die Bremsscheiben Risse oder Riefen? Sind die Bremsbeläge noch dick genug?
  • Motorraum:
    Ist der Motor trocken? Läuft irgendwo Öl aus?
    Vorsicht! Wurde der Motor frisch gereinigt, kann es sein, dass ein Mangel verdeckt werden soll. Auslaufende Flüssigkeiten wurden vor der Besichtigung entfernt, um den Motor gut ausschauen zu lassen
  • Ölmessstab:
    Ist genug Öl vorhanden? Ist das Öl schwarz? Das ist gut, dann ist kein Wasser im Ölkreislauf.
    Nebenbei achten Sie doch darauf, ob der Kilometerstand auf Ölwechselanhänger mit dem vom Tacho passt.
  • Motor: Lassen Sie ihn an und hören Sie, ob der Leerlauf ruhig ist. Zischt es irgendwo? Dann könnte die Abgasanlage undicht sein.
  • Sitze:
    Sind sie optisch noch ansprechend oder haben sie Löcher?
    Lassen sich die Sitze noch vor und zurück schieben? Klappt die Verstellung der Rückenlehne?
  • Sicherheitsgurte:
    Sind sie beschädigt? Lassen sie sich ausziehen und rollen selbständig wieder ein?
  • Geruch:
    Riecht es nach Rauch? Ist es wirklich ein Nichtraucherauto? Ist der Aschenbecher sauber?
    Riecht es feucht, dann kann die Karosserie undicht sein und Wasser dringt in den Innenraum. Rostgefahr!
  • elektrische Fensterheber:
    Funktion prüfen
  • elektrische Außenspiegel:
    Funktion prüfen
  • Klimaanlage:
    Sowohl die Kühl- als auch die Heizfunktion bei laufendem Motor prüfen. Alle Gebläsestufen ausprobieren.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie den Verkäufer, ob Sie mit dem Auto zum TÜV oder zur Dekra fahren können. Dort kann man für circa 40 Euro einen Gebrauchtwagencheck vom Sachverständigen durchführen lassen. Gerade bei hochwertigen Autos lohnt sich diese Ausgabe, denn eine teure Reparatur kann deutlich höhere Kosten verursachen.
Ein seriöser Verkäufer darf gegen so einen Check keine Einwände haben, wenn er nichts zu verbergen hat.
Mit dem Argument, dass er das Ergebnis des Checks auch anderen Interessenten zeigen kann, können Sie ja versuchen, den Verkäufer dazu zu überreden sich an den Kosten für den Check zu beteiligen.

Die Probefahrt

Eine Probefahrt ist absolute Pflicht!!!
Wenn Ihnen das Auto bislang zusagt, machen Sie eine Probefahrt. Lassen Sie sich davon auf keinen Fall abhalten. Fragen Sie daher vorher nach, ob das Fahrzeug noch zugelassen ist, oder ob rote Kennzeichen vorhanden sind.
Bevor Sie den Wagen anlassen, prüfen Sie nach, ob der Motor schon warm ist. Viele Verkäufer fahren das Auto vorher warm, damit können nämlich kleinere Mängel überspielt werden, z.B. eine schwache Batterie oder Schwierigkeiten beim Kaltstart.
Eine ordentliche Probefahrt erstreckt sich über mehrere Kilometer und dauert mindestens zehn Minuten.
Dabei sollte man auch mal aus der Stadt heraus fahren und Geschwindigkeiten über 100km/h erreichen. Denn manche Defekte an Rädern, Reifen oder Stoßdämpfern treten erst bei höheren Geschwindigkeiten auf.
Während der Fahrt sollte es im Auto ruhig sein, Radio und Verkäufer sollen schweigen.
Schließlich muss sich der Käufer am Steuer voll konzentrieren, alle Verbraucher ausprobieren und Geräusche richtig einordnen.
Die Funktion des Radios kann man später im Stand überprüfen.
Wichtig: Lenkung, Kupplung und Schaltung müssen problemlos funktionieren, am Fahrwerk sollte nichts klappern.
Lenkung: Sollte direkt sein, nicht zu viel Spiel haben, darf nicht während der Fahrt vibrieren und beim Einschlagen nicht knacken
Kupplung: Sollte geräuschlos arbeiten und leichtgängig sein
Schaltung: Darf nicht harken und nicht schwergängig sein
Auf gerader Straße darf der Wagen nicht zur Seite ziehen, auch beim Bremsen muss er gerade in der Spur bleiben.
Und nach der Probefahrt ruhig noch mal unterm Auto nachsehen, ob nirgendwo Flüssigkeit herunter tropft.

Bargeldzahlung
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Der Kaufvertrag / Die Bezahlung

Wenn die Probefahrt ohne Probleme verlief und Käufer und Verkäufer sich auf einen Preis einigen konnten, können Sie den Gebrauchtwagen kaufen und sich an die Bezahlung machen.
Wenn Sie bar bezahlen, dann bestehen Sie darauf, dass Sie den Fahrzeugbrief erhalten, wenn das Auto vollständig bezahlt wurde.
Bei Anzahlung und Restzahlung vermerken Sie dies in dem Kaufvertrag.
Festgestellte Mängel können Sie auch im Kaufvertrag vermerken.
Hier ein passender Kaufvertrag zum gratis downloaden.
Ist das Fahrzeug noch zugelassen, kann der Käufer damit nach Hause fahren. Ansonsten müssen sich Kurzzeitkennzeichen besorgt werden oder das Fahrzeug wird auf einem Trailer nach Hause transportiert.
Sie sollten neben dem Brief auch alle Fahrzeugschlüssel, die letzte Hauptuntersuchungs-Bescheinigung, die letzte ASU-Bescheinigung, sowie das Scheckheft und das Bordbuch erhalten.

Garantie bzw. Gewährleistung

Ein Kauf von Privat bietet eine größere Auswahl und ein niedrigeres Preisniveau. Allerdings schließt nahezu jeder Privatverkäufer eine Sachmängelhaftung bzw. Gewährleistung aus.
Spätere Schäden gehen damit zu Ihren Lasten.
Mehr Sicherheit bietet hingegen der Kauf beim Händler:
Dieser ist, unabhängig von einer eventuell angebotenen Gebrauchtwagengarantie, mindestens zu einer 12-monatigen "Sachmängelhaftung" verpflichtet.
In den ersten 6 Monaten gilt zudem eine "Beweislastumkehr": Im Fall des Falles müsste er nachweisen, dass der Mangel bei Fahrzeugübergabe noch nicht vorhanden war (was in der Praxis kaum feststellbar ist). Nach 6 Monaten müssen Sie als Käufer nachweisen, dass der Mangel schon bei der Übergabe vorhanden war, was sich in der Praxis nur durch einen Gutachter feststellen läßt.

Und falls es doch ein Neuwagen werden soll, dann finden Sie hier ein paar Informationen darüber.